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30.04.09 Rishikesh, Tachostand: 5436 km
4 Tage auf dem Rad in Indien und Eindrücke fuer 2 Monate!!
Seit unserem letzten Tagebucheintrag ist gerade mal eine Woche vergangen. Wir erleben hier täglich so viel, dass wir gar nicht alles schreiben und schon gar nicht fotografieren können. Oft sehen wir Menschen und deren Handlungen die wir überhaupt nicht verstehen, weil sie überhaupt gar nicht unserer allgemeinen Lebensweise in Europa entspricht.
Wir versuchen unsere Erlebnisse für Euch aufs Papier zu bringen, allerdings mit dem Wissen, dass wir es nicht so schildern können wie wir es in der Realität erleben. Denn dazu müssten Worte über 40 Grad heiß sein, man müsste sie schmecken, riechen und fühlen können und sie müssten Gerauesche machen.
Die ersten 2 Radtage waren auf der einen Seite ein super Anfang, auf der anderen Seite haben sie zu einem Unwohlsein geführt.
Schon im Stadtzentrum Delhis war uns bewusst, dass in Indien viele Familien in Armut leben. In den Außenbezirken sahen wir Familien in Behausungen und deren Kinder in Müllbergen neben uns am Straßenrand nach Essen suchen. Es ist ein sehr komisches Gefühl für uns, wenn wir uns dann 4 Flaschen Wasser und eine Cola fuer umgerechnet weniger als einen Euro kaufen, während andere Menschen neben uns nach Essen suchen oder betteln. Deshalb holen wir auch nicht oft unsere grosse Kamera aus der Tasche.
Wir teilen die Straßen mit Fußgängern, anderen Fahrradfahrern, Fahrradrikschas, Bussen, Autorikschas, LKW, Taxis, Büffelkarren, Pferdekutschen und letztendlich überholten uns auch schon öfters Kamele.
Die Umgebung ist flach und staubig da es seit Monaten nicht mehr geregnet hat. Beides zusammen macht den Verkehr völlig chaotisch, heiß und staubig.
Wir sind selten alleine in Indien, was sehr ungewohnt ist. Dadurch, dass viele Inder auch Englisch sprechen, wird man oft unterwegs angesprochen und kommt dadaurch viel in Kontakt. Dieses ist sehr schön, aber auch mühsam, da sobald unsere Räder zum stehen kommen, sich eine riesige Traube von Menschen um uns sammelt und uns anstarrt. Die Rekordsumme war 48 Menschen... Das erlebten wir öfter mal in Asien, aber bisher haben alle immer einen gewissen Abstand gehalten. Hier in Indien stehen die ganzen Leute unmittelbar um uns herum, so dass man sich kaum bewegen kann. In den ersten 2 Tagen passierte das wirklich jedesmal sobald wir kurz anhielten.
Das Ganze ist, davon sind wir überzeugt, sehr gut gemeint und zeugt von Interesse und Neugier.
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So kam es, dass wir am ersten Tag vom ältesten Sohn mit seiner Frau einer 10koepfigen Familie eingeladen worden sind um bei ihnen zu übernachten. Ein super Einstieg um die indische Kultur besser zu verstehen! Die Rolle der Frau ist vergleichbar zu der in Deutschland vor 100 Jahren. Als blonde westeuropäische Reisende ist es hier zum Teil sehr anstrengend, da man unter ständiger Aufmerksamkeit indischer Männer steht. Leider war auch der frisch verheiratete Sohn der Familie sehr aufdringlich, welches das gute Erlebnis leider etwas gedämpft hat. Mit dem Wissen im Hinterkopf reisen wir vorsichtiger und bewusster.
Das soziale System wird durch das Kastensystem geregelt. Das heißt man wird in eine Kaste hereingeboren und gehört somit einer sozialen Schicht an. Es ist Gang und Gebe dass man auch mit einem Partner der gleichen Kaste verheiratet wird. Man kann nur durch ein gutes Karma in einer höheren Kaste wiedergeboren werden. Und wenn man "böse" ist rutscht man eine Kaste tiefer.
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Die am meisten verbreiteste Religion, der Hinduismus, regelt das komplette Alltagsleben. Wir fuhren auch nach Hardiwar und Rishikesh, zwei heilige Städte am Ganges. Nach Hardiwar pilgern täglich tausende von Indern, um sich bei Sonnenaufgang- und untergang im heiligen Ganges zu waschen. Fuer uns war dieses Erlebnis wieder eines dieser, wo viele Situationen fuer uns rätselhaft sind und irgendwie magisch. Zwischen all den Gurus, Sadhus, Kindern, Kühen und Pilgern beobachteteten wir dieses eindrucksvolle Spektakel. Mit uns verließen den Platz tausende Pilger mit z.T. 20 Liter Ganges Wasser im Kanister.
Jetzt haben wir einige Tage in Rishikesh verbracht, der Yoga-Hauptstadt, weil hier alles etwas ruhiger läuft und weil wir diese Ruhe gerade gut gebrauchen können. Nachdem wir jetzt den Kopf ein bisschen geordnet haben und andere Reisende getroffen haben denen es ähnlich geht, setzen wir uns morgen wieder auf den Sattel und fahren weiter durch das faszinierende Land Indien. Wir fahren entlang des Randes des Himalayas Richtung nepalesische Grenze und hoffen dort auf etwas kühlere Fahrradtage.
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In unseren Köpfen schwirrt noch viel mehr, der Schlangenbeschwörer mit seiner Cobra und Flöte, der Inder, der in der Wildnis lebt und Kleidung als ein Problem sieht, der Mopedfahrer, der uns Kuchen schenkte und uns zur Sicherheit 150km begleiten wollte, die indische Hochzeit, die eher mit St. Martin bei uns zu vergleichen ist, die vegetarische Zahnpasta, heilige Städte ohne Alkohol und Fleisch auf der Speisekarte, jahrelange Gefängnisstrafe für das Töten einer Kuh, heimischer Kartoffelsalat und kruidenkoekjes im touristischen Rishikesh...aber wir machen jetzt mal einen Punkt.
Laura und Christian
Meilensteine
| 04.04.2009 | Yen Chau - Moc Chau 60km 742hm |
| 05.04.2009 | Moc Chau - Mai Chau 68km 714hm |
| 06.04.2009 | Mai Chau - Hoa Binh 68km 992hm |
| 07.04.2009 | Hoa Binh - Hanoi 78 km 209hm |
| 24.04.2009 | Delhi - Baraut 63km 160hm |
| 25.04.2009 | Baraut - Muzaffarnagar 84 km 123hm |
| 26.04.2009 | Muzaffarnagar - Hardiwar 85 km 152hm |
| 27.04.2009 | Hardiwar - Rishikesh 26km 217hm |
Ältere Tagebucheinträge
23.04.09 - Delhi/Indien
13.04.09 - Hanoi
03.04.09 - Yen Chau
24.03.09 - Kunming
15.03.09 - Shangri La/Zhongdian/Gyalthang
03.03.09 - Lijang
24.02.09 - Dali (Nord – Yunnan/China)
14.02.09 - Oudomxay
01.02.09 - Luang Prabang
21.01.09 - Nong Khai
09.01.09 - Loei - Chiang Khan
02.01.09 - Phitsanoluk
21.12.08 - Krung Thep (Bangkok)
07.12.08 - Prachuap Khirikhan
25.11.08 - Khura Buri
21.11.08 - Ton Sai Beach
13.11.08 - Krabi, in der Nähe von Rai Leh Beach
05.11.08 - 09.11.08 - Ankunft und die ersten Tage
01.11.08 - 4.11.08 - letzten Tage vor dem Abflug





